Wort zum Sonntag 37 KW/2026
Sorgen haben Hochkonjunktur in unserem Land, trotz Frieden, trotz Demokratie, trotz guter Sozialsysteme. Denn steigende Lebenshaltungskosten, gefährdete Arbeitsplätze, die Frage nach der Zukunft, ein gefährdeter Frieden – vieles macht uns Sorgen. Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt hat gezeigt, wie sehr Unsicherheit und Zukunftssorgen unser Land bewegen.
Das Ergebnis hat viele erschreckt, andere begrüßen es. Was für die einen Hoffnung auf Veränderung bedeutet, ist für andere kaum vorstellbar. Die Gräben in unserer Gesellschaft sind deutlich zu spüren.
Der Duden beschreibt Sorge als „ein bedrückendes Gefühl innerer Unruhe und Angst, hervorgerufen durch eine unangenehme, schwierige Lage“.
„Angst ist kein guter Berater“ sagt ein altes Sprichwort. Die Sorge wohl ebenso wenig. Beides verengt unseren Blick. Deshalb sollte man Sorgen und Ängste, egal ob die eigenen oder die anderer, ernst nehmen. In der Bibel werden wir ermuntert: „Alle eure Sorge werft auf Gott; denn er sorgt für euch.“
Das heißt für mich: Ich darf meine Angst aussprechen, klagen, bitten – und darauf vertrauen, dass mein Leben nicht allein von meiner eigenen Kraft abhängt. Sorgen wollen ausgesprochen werden. Vor Gott – und vor Menschen. Unsere Ängste und Sorgen sind verschieden. Umso wichtiger ist es, einander zuzuhören und ernst zu nehmen.
Wenn wir über die eigenen Sorgen und Überzeugungen hinausschauen, können Gräben kleiner werden. Die eigenen Sorgen wollen ausgesprochen werden – vor Gott und den Menschen. Zugleich sollten wir hören, was andere sorgt und bewegt.
Schulpfarrer
Neithard Ebel