Wort zum Sonntag 32 KW/2026
Auf Wanderschaft
Sommerzeit. Urlaubszeit. Reisezeit. Manche sind zu Fuß auf Wanderschaft.
Auf Wanderschaft – viele Volkslieder singen davon.
Sicher kennen Sie das Lied von des Müllers Lust. Und das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen“?
Dieses Lied stellt uns einen Sänger vor Augen, den wir auf seiner Wanderschaft begleiten. Mit einer Kutsche ist er unterwegs; die Rosse traben, das Horn erschallt.
Wiesen und Auen ziehen vorbei und Felder im leuchtenden Gold reifer Ähren. Die Freude des Lebens genießt er: einen guten Schluck, ein fröhlich lächelndes Gesicht, Musik und Tanz, Frohsinn und Geselligkeit. Nur bleiben kann er nicht. Alles zieht an ihm vorbei bis zum letzten Lebewohl. So gerne er geblieben wäre – sein Wagen, der rollt.
Aus einer erlebnisreichen Fahrt wird in diesem Volkslied eine nachdenkliche Wanderschaft durch das Leben. Ein innerer Drang zwingt dazu, nirgends länger verweilen zu können, nirgends wirklich ankommen zu können.
Soll es so sein mit unserem Leben, dass wir Tag für Tag von einem Ereignis zum nächsten unterwegs sein müssen und immer in Eile?
Zu einer Wanderschaft gehören auch Pausen, Aussichtspunkte, Übersichtskarten, Wegkreuzungen, sogar Umwege.
Wenn wir „Wanderschaft“ auf unseren Glauben beziehen, dann bedeutet es vielleicht: Schritt für Schritt dem zu vertrauen und zu folgen, der vorangeht. Die Wanderkarte, die uns Orientierung gibt, wären seine Gegenwart und sein Wort. Und die Pausen und Aussichtspunkte könnten ein inneres Gebet sein, ein Atemholen in der Stille oder die Stimme der Sehnsucht, die verweilen und ankommen will.
In seiner Geborgenheit wird sie Erfüllung finden. Amen.
Pfarrer Andreas Berndt
Pfarrbereich Bad Lauchstädt-Schafstädt
