Wort zum Sonntag 19 KW/2026
„Entschuldige dich!“ – diesen Satz haben wir als Kinder gelernt und geben ihn an die Kleinsten weiter. Wurde etwa der Bruder geschubst, der Freundin etwas weggenommen, die Eltern angeschwindelt: Sag Entschuldigung!
Zwar ist ein erzwungenes und flapsig gemaultes „Tschuldigung“ noch kein echtes Schuldeingeständnis. Aber es ist ein erster Schritt und ein kleines Zeichen „ich merke, dass ich mich falsch verhalten habe“. So bringen wir Kindern Stück für Stück bei, Verantwortung für ihre Fehltritte zu übernehmen.
Dabei vergessen wir leicht die andere Seite: Eine Entschuldigung ist kein Zauberwort, das alles automatisch ungeschehen macht. Vielmehr ist sie ein Angebot, das einer aktiven Entscheidung des Gegenübers bedarf. Wer um Verzeihung bittet, macht sich verletzlich. Er baut eine Brücke über den Graben, den ein Streit oder ein Versäumnis gerissen hat. Doch damit diese Brücke trägt, muss uns jemand entgegenkommen.
Im Vaterunser, dem wichtigsten Gebet der Christenheit, heißt es „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.
Kurz gesagt wird uns also nur verziehen, wenn auch wir es schaffen zu verzeihen.
Das meint keinesfalls, Unrecht kleinzureden oder es einfach so „vergessen“ zu müssen. Es bedeutet, die Last der Bitterkeit abzulegen, damit das Leben für beide Seiten weitergehen kann. Das Vergangene wird ein Stück weit ruhen gelassen, um im Hier und Jetzt einen Neuanfang zu wagen.
Vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die wir Kindern – und uns selbst – vorleben können: Dass Friede dort entsteht, wo ein ehrliches „Tut mir leid“ auf ein offenes „Ich vergebe dir“ trifft.
Josefine Lothholz,
Gemeindepädagogin im Kirchspiel Querfurt
