Wort zum Sonntag 17 KW/2026
Die Blüten des Lebens
„Warum mache ich das hier eigentlich?“ frage ich mich manchmal.
Vor mir liegt der Kalender mit seinen Terminen, der Abwasch ruft, draußen streiten die Kinder und die letzten Kriegsnachrichten klingen noch in meinen Ohren. Für einen Moment bleibt alles stehen. Was macht unsere Welt nur?
Dann fällt mein Blick nach draußen. Der Birnbaum steht in voller Blüte. Und bunte Blüten liegen wie kleine Versprechen über der wild sprießenden Wiese. So still. So selbstverständlich.
Mitten in diesen Moment hinein klingt der Satz für diesen Sonntag: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, bringt viel Frucht.“ (Joh 15,5)
Ich bleibe noch einen Augenblick sitzen. Draußen wächst etwas, ohne Eile, ohne Lärm. Es fragt nicht nach Nachrichten, nicht nach Terminen. Es wächst, weil die Sonne scheint und weil es leben will. Und während ich hinausschaue, wird mir plötzlich bewusst, wie kostbar das ist, was vor mir liegt – wie diese Welt gedacht ist: voller Leben, voller Schönheit undgetragen von einer Güte, die allem zugrunde liegt.
Und ich frage mich, ob es das ist, was mich durch diese Tage trägt. Diese leise Verbindung, von der Jesus spricht. Er und Gott und ich und seine Sicht auf die Welt. Eine Welt in der Leben, Würde und ein gutes Miteinander möglich ist. Eine Sicht, die nicht überdeckt, was ist, aber doch mehr sieht als das.
Der Birnbaum draußen blüht weiter. Als hätte er Zeit. Als wüsste er etwas, das ich manchmal vergesse. Da stehe ich auf, gehe hinaus und setze mich zu den Kindern ins Gras. Für einen Moment ist da nur das Lachen, das Licht und der Duft des Frühlings.
Das ist es. Diese kleinen, lebendigen Augenblicke. Zuhören. Dasein. Hoffen.
Das sind die Blüten des Lebens.
Caroline Butzkies
Pfarrerin im Evangelischen Kirchspiel Querfurt