Wort zum Sonntag 13 KW/2026
Mit Freuden zart
Singen Sie? Allein für sich, in der Familie, gar in einem Chor? Viele trauen sich nicht. Haben Angst, dass sie nicht die Töne treffen. Vielleicht sind es alte Ängste aus der Schule, sich mit seinem Gesang zu blamieren. Und dann hört man lieber Musik, die eigene Stimme verkümmert.
Dabei kann Singen fröhlich machen. Volkslieder, Schlager, geistliche Lieder, jedes auf seine Weise. Manche trösten in trauriger Stimmung, andere verstärken die Freude.
Gesang gehört zu meinem Pfarrberuf.
Nur hatte ich plötzlich erkältungsbedingt keine Stimme.
Gottesdienst in einer Landgemeinde. Normalerweise führe ich dort mit meiner Stimme den Gesang an. Sprechen ging gerade noch, aber singen ließ mein Hals nicht zu. Im Gemeinderaum findet sich die Gemeinde ein, ein Ehepaar, eine Konfirmandin, drei weitere Gemeindeglieder. Ein Kaminofen prasselt. Der Organist spielt die Melodie des Liedes. Der Gesang ist kaum hörbar. Doch es wird gesungen, zaghaft, leise. Anfangs spüre ich noch den Impuls kräftig mitzusingen. Dann kann ich zuhören. Stimmen erklingen, suchen einander, verbinden sich zu einem gemeinsamen Klang. Es sind Lieder von Hoffnung und Glauben. Man hört einander. Eine Stimme gibt der anderen Halt. So klingt diese Gemeinschaft. Zum Abschied wird mir gute Besserung gewünscht und eine Frau fügt hinzu: „Nun mussten Sie sich unseren mickrigen Gesang anhören.“ „Zarten Gesang“, verbessere ich und denke, dass die Engel im Himmel sicher ihre Freude dran hatten.
Ich wünsche Ihnen Freude am Singen. Suchen und finden Sie ihre Stimme wieder zum Osterfest!
Rüdiger Worbes
Bad Dürrenberg 