Wort zum Sonntag 10 KW/2026
Im Sommer letzten Jahres war ich auf dem Weg, mich mit einer Freundin auf einen Kaffee zu treffen. Ich stand an der Straßenbahnhaltestelle, als ich ein lautes Krachen hörte. Ein Auto ist in eine anrollende Straßenbahn gefahren. Der Unfall sah nicht weiter gefährlich aus. Der Autofahrer sollte sicherlich bald wegfahren, um die Straße wieder frei zu machen. Nichts geschah. Ich war schon in meine Straßenbahn eingestiegen. Das Auto fuhr nicht weg. Ich stieg also wieder aus, ging zum Unfallwagen und legte die Hand auf den Griff der Beifahrertür.
"Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes." Lk 9,62
Die Café-Pläne waren dahin, sie waren vergessen, denn nachdem ich die Tür öffnete, ging der einstudierte Ablauf des Erste-Hilfe-Kurses los: Hilfe holen, Verletzte zählen, Notruf absetzen, bei den Menschen bleiben. Eine solche Notsituation wünsche ich keinem. Ich war froh, diesen Ablauf so oft im Kopf durchgespielt zu haben. Ich war vorbereitet. Dann war der Moment der Entscheidung da. Der Ruf in mir: Jetzt musst du handeln.
Auf dem Weg nach Jerusalem ans Kreuz sagte Jesus: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Dieser Ausspruch kann anstößig sein, wenn er im Alltag klingt. Doch der Weg an das Kreuz war kein Alltag. Auch der Autounfall war kein Alltag. Notsituationen fordern uns zum Handeln auf. Ich denke, dass sich das Reich Gottes, dann einstellt, wenn Menschen sich einander zuwenden, besonders in Notsituationen. Dann ist es nicht mehr möglich zurückzuschauen. Dann ist es Zeit, mutig zu handeln.